Weltoffen aber nicht beliebig, werteorientiert aber ohne Scheuklappen

                                                            

      

                                                                        

 

 

 Buch des Monats Juli 2026: 


MYTHOS 1776 .

TRAUM UND ERWACHEN DER AMERIKANISCHEN NATION

 

Zu Recht gilt die amerikanische Unabhängigkeitserklärung als Meilenstein nicht allein der US-amerikanischen Geschichte sondern weltweit. Selbstbestimmung, Gleichheit, unveräußerliche Rechte, so war es gedacht, aber die Realität kam nicht immer mit. Das Wort "Sklaverei" z. B. erscheint nicht in der Erklärung, obwohl es in den Debatten durchaus präsent gewesen war. Die Sklaverei fand in einem Dokument, das die menschliche Freiheit verteidigte, keine Erwähnung mehr. Dessen Autor, der Optimist Thomas Jefferson, besaß selbst an die 600 Sklaven und war der Überzeugung, dass die Sklaverei von selbst aussterben werde... Tatsächlich atmet die amerikanische Verfassung fast von der ersten bis zur letzten Zeile diesen Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit. Er ist bis heute der Motor der amerikanischen Geschichte. Noch immer geht es um dieselben Fragen: Wer ist dieser am Anfang der Verfassung stehende "People"? Wer gehört dazu? Wer darf die Früchte der versprochenen Freiheit ernten? Wird dieser permanente Gegensatz die Vereinigten Staaten eines Tages womöglich zerreißen? Die bemerkenswert klare Studie des Historikers Hiram Kümper, (Jahrgang 1981), der an der Universität Mannheim lehrt, macht deutlich, dass die amerikanische Revolution "kein plötzlicher Aufbruch", sondern "die Zuspitzung einer langen Erfahrung von Freiheit und Abhängigkeit zugleich" war "Die Linien, die sich in Revolution und Verfassung kreuzten, waren längst gezogen: in der Vielfalt der Kolonien, in ihren religiösen Überzeugungen, in ihrem wirtschaftlichen Gefälle. Und die Väter der amerikanischen Verfassung waren bemüht, die Auseinandersetzung mit der permanenten "Disharmonie" in positive Energie zu verwandeln. Bis zur ersten Amtszeit Trumps ist diese Rechnung noch immer aufgegangen, aber was ist, wenn die Institutionen, "die den Streit übersetzen sollen, selbst zum Streitobjekt werden?"

Dann droht die "Dauerkrise", mit allen unabsehbaren Folgen.