Buch des Monats November 2026:
Monsignorina. Die deutsche Jüdin Hermine Speyer im Vatikan
Dieses fundierte und fesselnde Buch von Gudrun Sailer schildert das Leben der deutschen Jüdin und Archäologin Hermine Speyer (1898-1989). Nach dem Studium in Heidelberg, wo sie mit dem Kreis um den Schriftsteller Stefan George in Berührung kam, ging sie nach Rom ans Deutsche Archäologische Institut. Nach Hitlers Machtergreifung verlor die gebürtige Jüdin ihre dortige Stelle. Aber schon 1934 trat sie als eine der ersten Frauen überhaupt in den Dienst des Vatikans, wo sie als Fotothekarin arbeitete. In dieser Zeit war sie mit einem italienischen Nationalhelden verlobt: General Umberto Nobile, Luftschiff-Pionier und Nordpolarforscher. Als sie 1938 vor dem Besuch Hitlers in Rom in Schutzhaft geriet, konnte Nobile sie befreien. Ein Jahr später trat Hermine Speyer zum Katholizismus über. Nobile war ihr Taufpate, heiratete aber eine andere. Versteckt in einem römischen Nonnenkloster überlebte sie die Kriegsjahre und trat danach wieder in päpstliche Dienste ein. Bis zu ihrer Pensionierung 1967 arbeitete sie in den Vatikanischen Museen. Sie gab ein noch heute gültiges Standardwerk der Archäologie heraus und ihre Dachterrasse auf dem Gianicolo in Rom blieb bis zu ihrem Tod eine beliebte Anlaufstelle für deutsch-römische Gelehrte. Im Schatten der Basilika von St. Peter auf dem Friedhof des „Campo Santo Teutonico“ fand diese außergewöhnliche Frau ihre letzte Ruhestätte.
Gudrun Sailer, die viel über Frauen im Vatikan geforscht hat, ist mit diesem Buch ein in jeder Hinsicht mitreißendes Lebensbild gelungen.