Buch des Monats Juni 2026:
De gré ou de force. Le choix de Franz
Es geht um einen Comic in französischer Sprache. Die Geschichte spielt in Malmedy im engeren und den belgischen Ostkantonen im weiteren Sinne.
Als der junge Malmedyer Franz nach der Kapitulation der belgischen Armee im Juni 1940 in seine Heimatstadt zurückkehrt, wehen dort die Hakenkreuzflaggen. Am 10. Mai hatten Hitlers Truppen Belgien überfallen; acht Tage später holte der „Führer“ Adolf Hitler die Ostkantone sowie einige an diese grenzenden wallonischen Gemeinden „heim ins Reich“. Wider geltendes Völkerrecht und gegen den ausdrücklichen Rat seines Außenministeriums. Die belgische Regierung schwieg, die belgischen „Neudeutschen“ fanden sich wohl oder übel mit den geschaffenen Tatsachen ab. Die Staatsbürgerschaftsfrage blieb vorläufig in der Schwebe. Erst am 23. September 1941 erging eine Verordnung des Reichsinnenministers mit folgender Regelung: Von wenigen Ausnahmen (wie Juden und Zigeuner) abgesehen, erhielten alle Einwohner der bis 1920 preußischen Kreise Eupen und Malmedy (einschl. St. Vith) die deutsche Staatsbürgerschaft (§1); die „deutschstämmigen“ Einwohner und Zuwanderer aus Altbelgien in den ebenfalls annektierten wallonischen Gemeinden wurden Deutsche „auf Widerruf“ (§2). Auch dazu schwieg die belgische Exilregierung in London. Im November 1941 begannen die Erfassung und Musterung der §1- Neudeutschen, die §2- „Beutedeutschen“ wurden erst später zur Wehrmacht eingezogen. Erstmals ist diese schmerzliche Episode ostbelgischer Geschichte Gegenstand eines Comics. Vielleicht findet der ein oder andere diese Form als unangebracht. Aber, wer die Vergangenheit zum Leben erwecken will, darf sie nicht allein in wissenschaftlichen Mausoleen konservieren, sondern sollte den „alten Wein“ gelegentlich auch in „neuen Schläuchen“ servieren.
Ob dies den „Producern“ Frédéric Moray und Oli Pirnay gelungen ist, wird die Leserschaft entscheiden.