Weltoffen aber nicht beliebig, werteorientiert aber ohne Scheuklappen

                                                                              

Quelle: Wikipedia


Autor des Monats September 2026: 

EDGAR MORIN

  

Bereits 1986 bezeichnete ein Kritiker ihn als eine der erstaunlichsten Erscheinungen im zeitgenössischen Panorama. Am 29. Mai dieses Jahres ist er im biblischen Alter von 104 Jahren in Neuilly- sur- Seine am Rand von Paris verstorben. Er war “vieles zu gleich”: Philosoph, Soziologe, Anthropologe, Wissenschaftler, Wissenschaftstheoretiker, Journalist, Vermittler, Zeitzeuge. Morin entstammte einer sephardisch- jüdischen Familie aus Thessaloniki. Nach dem Studium der Geschichte, der Erdkunde und der Rechte an der berühmten Pariser Sorbonne war er viele Jahre als Direktor am französischen “Centre de la Recherche scientifique” (CNRS) und an der “École des hautes Études en Sciences sociales” (EHESS) tätig. Er erhielt zahlreiche Orden und Auszeichnungen und 38 Universitäten verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. Morins Sympathien für den Kommunismus, dem er sich als Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg angeschlossen hatte, kühlte sich ab 1950 rapide ab. 1959 kam es zum Bruch. Die Arbeiten Morins zielen darauf ab, Phänomene zusammenzudenken, die in der Alltagswahrnehmung und in der akademischen Arbeit häufig getrennt behandelt werden. Fachidioten und eine starre Trennung der Disziplinen waren ihm ein Gräuel. Die gängige Methode der “absurden Parzellierung” erzeugte, seiner Meinung nach, lediglich eine tiefe globale Unwissenheit. Die klassische Wissenschaft behaupte, gleiche Ursachen erzeugten immer gleiche Wirkungen und erlaube sich in unglaublicher Arroganz, abweichende Ursachen und Wirkungen einfach zu ignorieren. Das vereinfachende Denken sei zur Barbarei der Wissenschaft geworden. Die Ökologie, davon war er fest überzeugt, war die erste wirklich interdisziplinäre Wissenschaft. Hier hatte man erkannt, dass es auf komplexe Fragen nun einmal keine einfachen Antworten gibt und eine gesamtheitliche Reform des Denkens zu einem der wichtigsten Anliegen unserer Zeit geworden ist. Sich auf Morin einzulassen verlangt dem Leser einiges ab, aber die Anstrengung lohnt sich auf jeden Fall.