Thema des Monats April 2026:
MONET UND DER IMPRESSIONISMUS
Im 19. Jahrhundert waren Klassizismus und Romantik vor der Realität in das Zeitlose geflüchtet. Wo sie in das wirkliche Leben zurückkehrten, geschah das in der Verklärung durch Humor oder Sentimentalität. Erst der Impressionismus wandte sich ohne Vorbehalte und restlos seiner Zeit zu. Deshalb wirkt er bis heute als lebendigster Ausdruck des Jahrhunderts, in dem sich die bis dahin größten Umwälzungen des Lebens überaus schnell vollzogen. Europas Bevölkerung verdreifachte sich zwischen 1800 und 1900 auf weit über 400 Millionen. So bekannt die Errungenschaften sind, die damals durch Wissenschaft und Technik ermöglicht wurden, so wenig ist man sich meistens der Tatsache bewusst, dass unter dem prächtigen Mantel des äußeren Aufstiegs und eines fortschrittsgläubigen Bürgertums bereits jene gewaltigen Explosionen vorbereiteten, die schließlich das 20. Jahrhundert bis in seine Grundfesten erschüttern sollten.
1871 war im Pariser Kunstsalon Nadar erstmals ein Gemälde des französischen Künstlers Claude Monet (1840–1926) ausgestellt worden; es zeigte die aufgehende Sonne und nannte sich dementsprechend "Impression, soleil levant". Aus diesem Bild sprach der Pulsschlag der neuen Zeit, ihr Tempo und ihre Beobachtungsgabe. Monet hatte konsequent die Technik der "Kommata” angewandt, jene knapp hingesetzten kleinen Pinselstriche, deren Farben sich erst im Auge des Betrachters zusammenfügen. Die Landschaft erscheint, wie durchs Fenster eines modernen raschen Verkehrsmittels gleichsam im Vorbeihuschen beobachtet, übergossen von einem hellen, mitunter sogar gleißenden Licht, wie es die Elektrizität jetzt lieferte.
Der Impressionismus war geboren und mit ihm eine Revolution der Malerei in Gang gesetzt worden.
