Weltoffen aber nicht beliebig, werteorientiert aber ohne Scheuklappen

Mitteilung der öffentlichen Pfarrbibliothek Eupen St. Nikolaus:

Von einem Karl zum andern

Als Eupen, im Jahre 1713, zusammen mit den südlichen Niederlanden, unter die Herrschaft der österreichischen Habsburger gelangte, wandte sich der damalige Eupener Pfarrer Kaspar Henreco, an seinen neuen Landesherrn, Kaiser Karl VI. (1685- 1740), und bat diesen um eine Beihilfe zum Gehalt des Pfarrkaplans. Umgehend wies Karl VI. seine Verwaltung in Brüssel an, der Bitte Folge zu leisten. Auf diese Weise wurde die Pfarre Eupen St. Nikolaus  Eigentümerin eines weitläufigen Wald- und Wiesengeländes, aus dessen Erträgen der Kaplan fortan  finanziell unterstützt werden konnte. Zum Zeichen der Dankbarkeit stiftete Pfarrer Henreco "auf ewige Zeiten" ein   Jahrgedächtnis für die "lebenden und verstorbenen Angehörigen des Hauses Österreich". Zur Feier dieser Messe sollten die Tochter Kaiser Karls VI., Maria Theresia (1717- 1780) und Kaiser Franz Joseph I. (1830- 1916) in späteren Zeiten der Nikolauspfarre kostbare Gewänder schenken, die noch immer in der Sakristei der Pfarrkirche aufbewahrt werden. Bis zum heutigen Tag wird das Jahrgedächtnis für das Haus Österreich an jedem 4. November, dem Fest des hl. Erzbischofs von Mailand, Karl Kardinal Borromäus (1538- 1584), in Eupen begangen.

In diesem Jahr gedachte die Gemeinde in besonderer Weise des letzten Kaisers  von Österreich Karl I.,dessen Todestag sich zum hundertsten Male jährte. Als er 1916 die Nachfolge seines Großonkels Franz Joseph I. antrat, stand die Donaumonarchie nicht alleine an der Seite des Deutschen Reichs im Krieg sondern auch vor großen innenpolitischen Herausforderungen. Obwohl gut auf sein Amt vorbereitet, gelang es dem jungen Kaiser nicht, den Widerstand des Adels und des Besitzbürgertums gegen seine Verwaltungs- und Sozialreformen zu brechen. Auch sein Versuch, den Krieg für Österreich- Ungarn mit einem Separatfrieden zu beenden, scheiterte. 1918 musste er abdanken. Er verstarb verarmt in Funchal auf Madeira am 1. April 1922 im Alter von nur 34 Jahren. Papst Johannes Paul II. sprach ihn 2004 selig.

Eine Abordnung der unter dem Patronat Karls I. stehenden Gebetsliga für die Völkerverständigung mit ihrem Präsidenten, Jules Delfosse (Hamois/Namur), war zu der am 4. November d. J von Dechant Helmut Schmitz in der Klosterkirche gefeierten Messe angereist. Der 1997 verstorbene Rektor dieser Kirche, Robert Ernst, war übrigens ein Studienfreund des ältesten Sohnes Karls I., Otto von Habsburg (1912- 2011), mit dem er zeitlebens in regem Austausch stand und der ihn mehrmals in Eupen besuchte. 

Die Vertreter der belgischen Gebetsliga für die Völkerverständigung schenkten der Pfarre Eupen St. Nikolaus ein Gemälde des seligen Karl I. mit der ungarischen Stefanskrone.

Zum Bild: Dechant Schmitz und Prof. Dr. Alfred Minke, der das Treffen vorbereitet hatte, mit dem Geschenk der Gebetsliga

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                  

 

 

 

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